Klettergärten Darmstädter Hütte

Das Gebiet ist unter Bergsteigern vor allem durch die N-Wand der mächtigen Kuchenspitze (3148m) bekannt, die zu den klassischen alpinen Abenteuern der Ostalpen zählt. Die 20 SL der Route "Innunendo" in der Kuchenspitze Nordwand wurden 2003 saniert. Dabei wurde Wert darauf gelegt, den Charkter der Route zu erhalten. Außer den Standplätzen wurden gerade 12 Zwischenhaken gesetzt. Innuendo-Topo zum Download hier!

Weniger bekannt ist, dass dort in der jüngeren Vergangenheit (1998 bis 2002) ein solide abgesichertes Gneis-Klettergebiet entstanden ist, welches 7 Klettergärten mit insgesamt 50 Routen in unmittelbarer Nähe der Hütte (max. 5 bis 25 Minuten), sowie 11 Mehrseillängentouren nach ca. 45 Minuten Zustieg bietet. Die S-Wand der Faselfadspitze (2993m) bietet im östlichen Teil guten bis sehr guten, plattigen Gneis in wärmender Sonne, während die N-Wand der Kirche (Punkt 2778m) meist guten Fels und eine eindrucksvolle alpine Atmosphäre mit Blick in die Spalten des nebenan liegenden Eisbruchs bietet.

Bei den Mehrseillängenrouten sind besonders "A geschenkter Satz" und "Totale Absolution" an der Faselfadspitze sowie "Priesterweihe" mit oder ohne "Meßweinorgie" als Ausstieg zu empfehlen. Die eindrucksvollste, aber auch schwerste Linie ist sicher das "Sakrileg", das auf der markanten Kante der Kirche entlang der Licht-Schattengrenze verläuft, die man schon morgens vom Frühstückstisch aus bewundern kann.Alle Routen sind mit rostfreiem Hakenmaterial versehen, so dass ein Rückzug jederzeit unproblematisch ist.

Ein absolutes Highlight stellt die 12 SL Route "Messner-Führe (Ballonseide)" an der Faselfasspitze Südwand dar, die von Moritz Trapp und Felix Gerhards erschlossen wurde. Sie dürfte mit Schwierigkeiten bis 8- die schwierigste Mehrsseillängen Kletterei im Verwall sein.

Neue Toproute an der Darmstädter Hütte

Am 12.07.2009 kletterte Marvin Winkler mit "Antidepressiva" am Apothekerblock die mit Abstand schwerste Seillänge rund um die Darmstädter Hütte. Während seit 2003 der "Schweinebauch im Mürbeteig" mit 8+ das Ende der Schwierigkeitsskala markierte, bewertete Marvin seine Neutour mit 9+!

Nachdem wir (Marvin Winkler, Felix Gerhards und Eric Barnert) am 08.07.2009 losgefahren waren, mußten wir auf der Darmstädter Hütte ersteinmal feststellen, dass einer der beiden Akkus der Sektionsbohrmaschine nicht mehr wollte (das Problem ist inzwischen behoben). Also liefen wir an diesem und am nächsten Tag mehrmals zum Apothekerblock, der links des Apothekerweges nach einer guten Viertelstunde zu erreichen ist.

Zunächst bohrten wir den "Pillendreher" ein, eine schöne Kantenkletterei im oberen sechsten Grad. Danach ging es darum eine kletterbare Linie durch die plattige Talseite zu finden, was wesentlich schwerer war als wir zunächst erwartet hatten. Während das Studium der mikroskopischen Strukturen bei den beiden älteren Teilnehmern nur ratloses Schulterzucken verursachte, war Marvin in seinem Element und konnte die Route nach mehreren kalten Regentagen (es war auch mal etwas Schnee dabei...) am 12.07.2009 im insgesamt fünften Versuch knacken.

Eine Superleistung unseres sechzehnjährigen Kletternachwuchses!
Also auf geht's: Wer holt sich die erste Wiederholung?

Text: Eric Barnert

Die Klettergärten

Es gibt sieben Klettergebiete in Hüttennähe:

1. Sektor Faselfadspitze mit 7 Route von 3 bis 8-
2. Sektor Schweinestall mit 9 Routen von 4+ bis 8+, die bis 25m hoch sind
3. Sektor Schneekönig mit 10 Routen von 4+ bis 8 bis 30m Höhe
4. Sektor Verwall di Mello mit 17 Routen von 4- bis 7+ bis 35m Höhe
5. Sektor Kirche mit 5 Routen von 5 bis 7-
6. Sektor Weiskopfplatte mit 8 Routen von 5- bis 6- (nicht in Übersicht)
7. Sektor Apothekerblock mit 2 Routen von 6+ bis 9+ (nicht in Übersicht)

Der Sektor Verwall di Mello, der mit Gletscherschliff und granitartiger Felsstruktur glänzt, ist sicher der insgesamt lohnendste, aber auch Routen wie Schneekönig, Nacht & Nebel oder Hamsterbacke in den anderen Sektoren machen sehr viel Spaß.

Zustiege:

Kuchenspitze (3148m) - Innuendo

Sanierung 8/2003 durch Moritz Trapp, Felix Gerhards und Markus Schwarz

Absicherung: Standhaken gebohrt, meist geklebt, 12 Zwischenhaken gebohrt. Je 1 Satz Rocks und Friends erforderlich. Die Sanierer haben Wert darauf gelegt, den eindrucksvollen alpinen Charakter der Route zu erhalten.

Trotz gebohrter Sicherungen sind der Umgang mit mobilen Klemmgeräten und alpiner Orientierungssinn nützlich. Rückzug durch Abseilen nach der 6. SL problematisch.

Abstieg: Ostgrat (Stellen 3), zuletzt Verlassen des Grates Richtung Darmstädter Hütte durch Schotterrinne (Nordöstl. Richtung bei Steinmann), am besten vom Hüttenwirt erklären lassen.

Zustieg: Von der Darmstädter Hütte in etwa 45 Minuten über den Kuchenferner, ein Eispickel ist ratsam. Das Topo kann als Acrobat Datei herunter geladen werden